Körperverletzung

Nicht selten handelt es sich bei Körperverletzungsdelikten um situationsbedingte Kurzschlussreaktionen, in denen der Betroffene vielleicht nur kurz die Kontrolle verloren hat. Beispielhaft genannt seien körperliche Auseinandersetzungen im Rahmen von Feierlichkeiten oder „Kneipenschlägereien“. Es gibt wohl kaum jemanden, der eine derartige Situation nicht zumindest als Außenstehender schon einmal miterlebt hätte. Wenn die Laune einmal umgeschlagen ist, möglicherweise eine nicht geringe Menge Alkohol im Spiel ist, können auch mal „schnell die Fäuste fliegen“. Die Folgen für Opfer und auch Täter können jedoch verheerend sein.

 

Während das Opfer teilweise erhebliche Verletzungen davonträgt, sieht sich der Täter – neben der strafrechtlichen Verfolgung – mit diversen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen konfrontiert.

 

Was ist eine Körperverletzung, § 223 StGB?

Eine (einfache) Körperverletzung begeht, wer sein Opfer körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt. Unter einer körperlichen Misshandlung versteht man eine substanzverletzende Einwirkung auf den Körper sowie jede unangemessene Behandlung, durch die das körperliche Wohlbefinden mehr als nur unerheblich beeinträchtigt wird.

Eine Gesundheitsschädigung ist hingegen das Hervorrufen oder Steigern eines krankhaften Zustandes.

 

Wie werde ich für eine (einfache) Körperverletzung bestraft?

Der Strafrahmen für eine Körperverletzung beträgt Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe. Die genaue Höhe der Strafe ist einzelfallabhängig und beurteilt sich insbesondere danach, ob der Täter schon (einschlägig) strafrechtlich vorbelastet ist, wie es zu der Tat kam, welche Verletzungen das Opfer davon getragen hat und auch, wie der Täter sich nach der Tat (insbesondere gegenüber dem Opfer) verhalten hat.

 

Wann liegt eine gefährliche Körperverletzung, § 224 StGB vor?

Wegen gefährlicher Körperverletzung macht sich strafbar, wer die Körperverletzung

  • durch die Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen (zB. auch HIV-Infektion),
  • mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs (jeder Gegenstand der nach seiner konkreten Art der Verwendung geeignet ist, erhebliche Körperverletzungen zuzufügen, im Einzelfall sogar ein gespitzter Bleistift)
  • mittels eines hinterlistigen Überfalls (wenn der Täter sein Opfer in Sicherheit wiegt, um ihm die Abwehr zu erschweren)
  • mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder (wenn mindestens 2 Personen am Tatort zusammenwirken)
  • mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung

begeht.

 

Der Strafrahmen beträgt 6 Monate bis zu 10 Jahren, eine Geldstrafe kommt nicht in Betracht. In minder schweren Fällen beträgt der Strafrahmen 3 Monate bis zu 5 Jahren.

 

Was ist eine schwere Körperverletzung, § 226 StGB?

Eine schwere Körperverletzung liegt vor, wenn durch die Körperverletzung eine besonders schwere Folge eingetreten ist, von der der Verletzte dauerhaft betroffen ist. Dies ist dann anzunehmen, wenn die Körperverletzung zur Folge hat, dass die verletzte Person

  • das Sehvermögen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert
  • ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauerhaft nicht mehr gebrauchen kann oder
  • in erheblicher Weise dauernd entstellt wird oder in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung verfällt.

Bei der schweren Körperverletzung handelt es sich um ein Verbrechen, das mit Freiheitsstrafe von 1 Jahr bis zu 10 Jahren bestraft wird.

 

Wegen Körperverletzung mit Todesfolge, § 227 StGB macht sich strafbar, wer durch die Körperverletzung den Tod der verletzten Person verursacht. Dabei muss der Täter vorausgesehen haben können, dass die Möglichkeit des Todes besteht. Der Körperverletzungshandlung muss zudem das Risiko des tödlichen Ausganges anhaften. Nicht erforderlich ist, dass der Tod auf dem Erfolg, also der eigentlichen Verletzung beruht.

Der Strafrahmen der Körperverletzung mit Todesfolge beträgt Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren, in minder schweren Fällen von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

 

Was ist eine fahrlässige Körperverletzung, § 229 StGB?

Wie der Name schon sagt, ist von fahrlässiger Körperverletzung immer dann die Rede, wenn dem Täter ein Vorsatz (Wissen und/oder Wollen) gerade nicht nachgewiesen werden kann.

Die Grenzen zwischen Fahrlässigkeit und (bedingtem) Vorsatz können zum Teil fließend und nur schwer abzugrenzen sein.

 

Wann handelt der Täter fahrlässig?

Der Täter handelt fahrlässig, wenn er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Die Frage muss also zunächst lauten, welcher Sorgfaltsmaßstab vom Täter verlangt werden konnte, d.h. wie er sich hätte verhalten müssen, danach ist zu fragen, ob er durch sein Verhalten diesen Sorgfaltsmaßstab verletzt hat.

Fahrlässige Körperverletzung ist in der Praxis insbesondere im Zusammenhang mit der Verwirklichung von Straßenverkehrsdelikten anzutreffen.

 

Wie werde ich für eine fahrlässige Körperverletzung bestraft?

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe.

 

Wer kann eine Körperverletzung im Amt, § 340 StGB begehen?

Der Tatbestand ist ein Sonderdelikt, das bedeutet, dass er nur von einem Amtsträger (z.B. Polizist) verwirklicht werden kann. Die Körperverletzung muss während des Dienstes oder in Beziehung auf den Dienst begangen worden sein. Wer also in seiner Freizeit – ohne dienstlichen Bezug – die Körperverletzung begeht, fällt nicht unter die (gesonderte) Vorschrift des § 340 StGB. Es bleibt bei den Körperverletzungsvorschriften, die für jedermann zur Anwendung gelangen.

 

Wenn Sie mit dem Vorwurf eines Körperverletzungsdeliktes konfrontiert sein sollten, wenden Sie sich an einen Verteidiger und besprechen Sie mit diesem das weitere Vorgehen.

 

Nicht selten besteht die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung gegen spezielle Auflagen. Die Möglichkeit eines Täter – Opfer – Ausgleiches sollte in geeigneten Fällen zumindest in Betracht gezogen werden.

 

Ich werde einer Körperverletzung beschuldigt, obwohl ich selber angegriffen wurde – wann ist eine Handlung durch Notwehr gerechtfertigt?

Die Notwehr setzt das Vorliegen eines gegenwärtigen rechtswidrigen Angriffs (Notwehrlage) voraus. Das bedeutet zunächst, dass ein Angriff auf Ihren Körper, Ihre Gesundheit, Ihr Leben oder auch Ihr Eigentum vorliegen muss.

 

Der Angriff ist rechtswidrig, wenn er nicht seinerseits gerechtfertigt ist.

 

Der Angriff muss auch gegenwärtig sein, das heißt, er muss unmittelbar bevorstehen, gerade stattfinden oder noch fortdauern.

 

In diesem Zusammenhang kann es passieren, dass Sie selber angegriffen wurden und sich erst – nachdem dieser Angriff beendet ist – körperlich zur Wehr setzen. Eine solche Handlung ist – entgegen weitläufiger Meinungen – nicht mehr vom Notwehrrecht gedeckt. Dies mag auf den ersten Blick ungerecht erscheinen, soll aber garantieren, dass die entsprechende Handlung situationsbedingt zur Abwehr eingesetzt wird und nicht Tor und Tür für etwaige Selbstjustiz öffnet.

 

Anders ist die Situation nur zu beurteilen, wenn Sie damit rechnen müssen, unmittelbar nach dem erfolgten Angriff erneut attackiert zu werden. Dies müssen sie selbstverständlich nicht dulden. Ob eine solche Notwehrlage vorliegt, ist immer eine Frage des Einzelfalles.

 

Ist eine Notwehrlage gegeben, muss die hiergegen gerichtete Notwehrhandlung erforderlich und geboten sein.

 

Die Notwehrhandlung ist erforderlich, wenn Sie zur Abwehr des Angriffs geeignet ist und das mildeste zur Verfügung stehende Mittel darstellt. Dies ist ebenfalls immer eine Frage des Einzelfalles. Überspitzt gesagt, kann jedoch festgehalten werden, dass ein tödlicher Schuss nicht erforderlich ist, wenn ein einfacher Faustschlag den Angriff voraussichtlich ebenfalls abgewehrt hätte.

 

Die Notwehrhandlung muss auch geboten sein, das bedeutet, sie darf nicht rechtsmissbräuchlich sein. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein besonders krasses Missverhältnis zwischen zu schützendem Rechtsgut und drohendem Schaden der Notwehrhandlung vorliegt. Beliebtes Beispiel ist der Schuss mit der Schrotflinte auf den Nachbarsjungen, der Kirschen aus dem eigenen Garten klaut…Eine solche Handlung ist nicht mehr geboten.

 

Zuletzt muss der Angegriffene auch einen entsprechenden Notwehrwillen, also dass Bewusstsein aufweisen, zum Zwecke der Verteidigung zu handeln.

 

Wenn ein Fall der Notwehr vorliegt, ist Ihr Verhalten gerechtfertigt und somit nicht strafbar. Ein gegen Sie gerichtetes Verfahren ist – während des Ermittlungsverfahrens – zwingend einzustellen.

 

Oft werden mit der Frage der Notwehr Beweisschwierigkeiten einhergehen, die sich – wenn überhaupt – nur in einer Hauptverhandlung klären lassen. Sie sind dann, wenn das Gericht von einer Notwehrlage ausgeht, oder diese zumindest nicht gänzlich ausschließen kann, zwingend freizusprechen.

 

Lassen Sie sich diesbezüglich beraten und besprechen Sie mit mir das weitere Vorgehen.  



Weiterführende Links:

 

www.koerperverletzung.com

 Rechtsanwältin und Strafverteidigerin Lina Anna Schuster vertritt Sie u.a. bei:

 

  • Vermögensdelikten (zB. Betrug, Computerbetrug, Erpressung, Räuberische Erpressung, Versicherungsmissbrauch, Erschleichen von Leistungen)
  • Eigentumsdelikten (zB. Diebstahl, Bandendiebstahl, Wohnungseinbruchdiebstahl, Räuberischer Diebstahl, Raub, Unterschlagung)
  • Urkundendelikten (zB. Urkundenfälschung, Urkundenunterdrückung)
  • Brandstiftungsdelikten (zB Brandstiftung, Schwere Brandstiftung)
  • Körperverletzungsdelikten (zB. Körperverletzung, Fahrlässige Körperverletzung, Gefährliche Körperverletzung, Schwere Körperverletzung)
  • Tötungsdelikten (zB. Mord, Totschlag, Fahrlässige Tötung, Körperverlezung mit Todesfolge)
  • Sexualdelikten (zB. Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Sexueller Missbrauch)
  • Drogendelikten (Verstöße gegen das BtmG)
  • Straßenverkehrsdelikten (z.B Straßeverkehrsgefährdung, Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Räuberischer Angriff auf Kraftfahrer, Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Trunkenheit im Verkehr)
  • Aussagedelikten (zB Falsche uneidliche Aussage, Meineid)
  • Amtsdelikten (zB. Körperverleztung im Amt, Strafvereitelung im Amt)
  • Beleidigungsdelikten (z.B. Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung)

 

In Fällen der notwendigen Verteidigung werde ich auch als Pflichtverteidigerin für Sie tätig.

 

Sollten Sie selber Opfer einer Straftat geworden sein, vertrete ich Sie gerne im Rahmen der Nebenklage.

Als Strafverteidigerin und Pflichtverteidigerin für Sie tätig im gesamten Ruhrgebiet, insbesondere in den Städten Essen, Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hattingen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, aber auch darüber hinaus, zB. in den Städten Bonn, Düsseldorf, Kleve, Köln, Münster, Wuppertal u.a.

 

LINA ANNA SCHUSTER

Rechtsanwältin.

Fachanwältin für Strafrecht

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© Lina Anna Schuster Rechtsanwältin und Fachanwältin für Strafrecht